Eine zottenartige Wucherung vor allem des Ballen- und des Strahlhorns wird als Hufkrebs bezeichnet. Diese Zotten sehen aus wie winzige Finger = Hornröhrchen. Der Strahl wird weich wie Fleisch und ist extrem gut durchblutet. Hufkrebs ist auch an seinem eigenwilligem Geruch erkennbar, er riecht süßlich. Die Trachtenwände und die Ballen werden oft weiß wie Birkenrinde. Häufig kommt Hufkrebs bei schwereren Rassen vor.
In unserem Fall war es kein Kaltblut, sondern eine Traberstute. Sie hatte eine
gute Abstammung und sollte als Zuchtpferd weiter genutzt werden können.
Der Hufkrebs war auf alle 4 Extremitäten ausgeweitet und es war vorerst
fraglich, ob alle 4 Füße gleichzeitig therapiert werden könnten.
Es besteht bei solchen Aufgaben die Gefahr, dass der gegenüberliegende
Fuß an Hufrehe erkrankt (Belastungsrehe). Dies deswegen, weil durch die
radikale Excision von Krebsgewebe die Schmerzen an dem einen Fuß so stark
sind, dass fast ausschließlich der andere Fuß belastet wird. In
unserem Fall wurde aber an allen 4 Extremitäten gleichzeitig therapiert.
Natürlich wurde vorerst ein Fuß behandelt und danach geschaut, wieweit
man dies dem Pferd zumuten kann.
Auf diesem Bild sieht man den typisch fleischigen Strahl, extrem gut durchblutet, mit weißen Röhrchenhorn. Die mittlere Strahlfurche ist sehr tief und recht bis in die Fesselbeuge.
Nach Entfernung erster überflüssiger Hornteile, sieht man hier milchig- zähflüssige Masse, weich , fleischig, extrem gut durchblutet, süßlich riechend.
Die veränderten Hornteile werden so gut wie möglich entfernt. Dass
hier Blutungen auftreten ist unvermeidlich. Wichtig ist nach so einer radikalen
Excision, dass ein extrem guter Druckverband angelegt wird, da sonst das Narbenhorn
überschießend nachwächst und der Hufkrebs erneut zu wuchern
beginnt. Ich verwende hier immer Deckeleisen mit einer 2mm Stahlplatte. Hier
kann man sehr starken Druck aufbauen und arbeitsextensiv und materialsparend
täglich einen Verbandswechsel durchführen. Dass hier auch entsprechende
Medikamente direkt in die Wunde kommen erklärt sich von selbst.
Die systemische Gabe von Antibiotika und Tetanusantitoxin ist forensisch.
Hier sieht man den bereits ersttherapierten Huf mit Deckeleisen . Der Ballensaum ist weiß verändert. Zu allem Überfluss hatte dieses Pferd an der rechten Vorderextremität noch einen alten Hufabszess, der noch nicht ausgeheilt war, aber auf Grund des Hornwachstums ungefähr schon 6 Monate bestand. Hufabszesse hinterlassen oft Spuren am Hornschuh in Form einer Hornkluft. Sie sind kaum von Bedeutung, außer dass sie ein Jahr lang sichtbar bleiben und etwa nach 10 Monaten beim Nageln hier dem Nagel keinen Halt bieten.
Von kaudal photographiert sieht man, dass der Huf durch die Strahlveränderungen
einen extremen Trachtenzwanghuf bekam. Eines der Hauptziele der Therapie verfolgt
natürlich die Ausheilung desselbigen. Man schaut dass sich die mittlere
Strahlfurche wieder schließt und der Hufmechanismus in Takt kommt.
Trabrennpferdebesitzer lieben die langen Zehen der Pferde, weil sie angeblich
dadurch einen raumgreifenderen Schritt haben. Dass dies unweigerlich die Bildung
von Zwanghufen und die Strahlfäule fördert liegt auf der Hand.
Therapie der Wahl: Zehenspitze radikal kürzen, nur 3 Nägel pro Seite,
um den Hufmechanismus zu unterstützen und Luft in die mittlere Strahlfurche
bringen.
Ein Geheimtipp meinerseits ist die Verwendung von Eutertuben zur Behandlung
der Strahlfäule in Kombination mit Luftinsufflation. Zieht man diese Therapie
mindestens 4 Wochen durch, ist die Strahlfäule meist weg.
Hier sieht man auf die Sohlenseite des zu therapierenden Hufes etwa 2 Monate nach Behandlungsbeginn.
Die excidierten Hufkrebsbereiche organisieren sich und der Krebs befindet sich in Abheilung.
Abschließender Kommentar zur Hufkrebsbehandlung:
Hufkrebs ist ein oft selbstgemachtes Übel, welches durch mangelnde Hufpflege
und unhygienische Haltungsbedingungen auftritt. Manchmal ist es auch genetisch
bedingt.
Die Therapie gestaltet sich oft nicht ganz einfach und ist jedenfalls langwierig.
Es ist eine mindestens 4-monatige Behandlung einzuplanen.